Für sie hält das Aufenthaltsgesetz einen eigenen Weg bereit: § 21 Abs. 4 AufenthG. Er ist nicht nur eine Ausnahme vom Rentennachweis, sondern auch kürzer — drei Jahre statt fünf.
§ 21 Abs. 4 AufenthG knüpft an die Aufenthaltserlaubnis zur Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit nach § 21 AufenthG an. Im Regelfall verlangt die Vorschrift:
| Voraussetzung | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Drei Jahre | Sie haben die Aufenthaltserlaubnis nach § 21 AufenthG seit drei Jahren |
| Geschäftsidee erfolgreich verwirklicht | Das Vorhaben, für das der Titel erteilt wurde, läuft tatsächlich und trägt sich |
| Lebensunterhalt gesichert | Der Lebensunterhalt für Sie und Ihre unterhaltsberechtigten Angehörigen ist gesichert |
Der 60-Monats-Rentennachweis des § 9 Abs. 2 AufenthG steht in diesem Katalog nicht. Das ist der praktische Kern der Vorschrift: Statt eines Beitragsverlaufs zählt der wirtschaftliche Erfolg Ihrer Tätigkeit.
Das Gesetz definiert den Begriff nicht abschließend, und die Behörde hat hier einen Beurteilungsspielraum. In der Praxis schaut sie darauf, ob das Vorhaben, mit dem Sie den Titel bekommen haben, tatsächlich umgesetzt wurde und wirtschaftlich trägt. Typische Anknüpfungspunkte:
- Das Unternehmen ist gegründet, angemeldet und aktiv — nicht nur eine Gewerbeanmeldung ohne Betrieb.
- Es erzielt Umsätze und Gewinne in einer Größenordnung, die den Lebensunterhalt trägt.
- Die Tätigkeit entspricht im Wesentlichen dem ursprünglich vorgelegten Konzept — größere Kurswechsel sollten Sie erklären können.
- Sozialversicherung und Steuern sind geordnet.
Wichtig für die Erwartungshaltung: Ein Umsatzsprung ist nicht verlangt, ein tragfähiger Betrieb schon. Ob Ihre Zahlen ausreichen, entscheidet allein die Ausländerbehörde — civitas. gibt dazu keine Einschätzung ab.
„Gesichert" ist ein Begriff aus § 2 Abs. 3 AufenthG: Der Lebensunterhalt ist gesichert, wenn Sie ihn einschließlich ausreichenden Krankenversicherungsschutzes ohne Inanspruchnahme öffentlicher Mittel bestreiten können. Bei Selbstständigen wird dabei nicht der Umsatz betrachtet, sondern der Gewinn nach Steuern — und zwar über einen Zeitraum hinweg, nicht in einem Ausreißermonat.
Praktisch heißt das: Ein einzelnes gutes Quartal überzeugt selten. Drei aufeinanderfolgende, plausible Jahresabschlüsse überzeugen deutlich eher.
Wie der Lebensunterhalt allgemein bewertet wird, steht ausführlich im Beitrag Lebensunterhaltssicherung.
Auch wenn § 21 Abs. 4 AufenthG keinen 60-Monats-Rentennachweis verlangt: Die Frage der Altersvorsorge verschwindet damit nicht. § 21 AufenthG stellt bei Antragstellenden ab einem bestimmten Alter eigens auf eine angemessene Altersversorgung ab, und auch im Rahmen der Lebensunterhaltsprognose spielt die Frage eine Rolle, ob Ihre Absicherung tragfähig ist.
Für Selbstständige kommen dafür regelmäßig in Betracht:
- freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung,
- ein berufsständisches Versorgungswerk (z. B. Ärzte, Rechtsanwältinnen, Architekten),
- private Altersvorsorge mit belegbarer Anwartschaft,
- Vermögen und Immobilien.
Halten Sie die entsprechenden Nachweise bereit — sie gehören zu den Unterlagen, nach denen typischerweise gefragt wird.
- gültiger Pass
- bisherige Aufenthaltstitel / eAT-Karte
- Gewerbeanmeldung bzw. Nachweis der freiberuflichen Tätigkeit
- Jahresabschlüsse oder Einnahmen-Überschuss-Rechnungen der letzten Jahre
- Steuerbescheide und ggf. eine Bescheinigung des Finanzamts
- Nachweis der Krankenversicherung
- Nachweis der Altersvorsorge
- Nachweise zu Beschäftigten, wenn Sie welche haben
- biometrisches Lichtbild
Die verbindliche Liste legt Ihre Ausländerbehörde fest. Eine allgemeine Übersicht steht unter Niederlassungserlaubnis: Unterlagen.
Wenn § 21 Abs. 4 AufenthG in Ihrem Fall nicht passt — etwa weil Ihr Titel nicht auf § 21 AufenthG beruht — lohnt der Blick auf § 9a AufenthG, die Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EU. Auch dort steht der 60-Monats-Rentennachweis nicht im Katalog; geprüft wird der gesicherte Lebensunterhalt nach den eigenen Maßstäben des § 9c AufenthG. Details im Beitrag Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EU.
Welcher Weg für Sie in Betracht kommt, entscheiden Sie selbst und prüft die Behörde. civitas. wählt keinen Titel für Sie aus.
- Zahlen ordnen. Jahresabschlüsse, Steuerbescheide, Versicherungsnachweise vollständig zusammenstellen — Lücken sind der häufigste Grund für Nachforderungen.
- Antrag stellen bei der Ausländerbehörde Ihres Wohnorts, rechtzeitig vor Ablauf des bisherigen Titels. Ein vor Ablauf gestellter Antrag löst die Fortbestandsfiktion nach § 81 Abs. 4 AufenthG aus.
- Termin wahrnehmen für Fingerabdrücke und Lichtbild.
- eAT-Karte abholen.
Die zuständige Stelle nach Wohnort finden Sie im Ortsverzeichnis zur Niederlassungserlaubnis.
Brauche ich als Selbstständige oder Selbstständiger 60 Monate Rentenbeiträge?
Im Katalog des § 21 Abs. 4 AufenthG steht dieser Nachweis nicht — er gehört zum Regelweg des § 9 Abs. 2 AufenthG. Die Frage der angemessenen Altersversorgung kann im Rahmen des § 21 AufenthG dennoch eine Rolle spielen. Wie Ihre Behörde das bewertet, entscheidet sie im Verfahren.
Wie viel Gewinn muss mein Unternehmen machen?
Das Gesetz nennt keine feste Zahl. Maßgeblich ist, ob der Lebensunterhalt für Sie und Ihre unterhaltsberechtigten Angehörigen im Sinne des § 2 Abs. 3 AufenthG gesichert ist — betrachtet wird der Gewinn, nicht der Umsatz, und zwar über einen längeren Zeitraum. Die Bewertung nimmt die Ausländerbehörde vor.
Was ist, wenn ich mein Geschäftsmodell geändert habe?
Ein Kurswechsel ist kein Ausschlussgrund, aber erklärungsbedürftig. Legen Sie dar, was sich geändert hat und warum das Vorhaben weiterhin trägt. Die Bewertung liegt bei der Behörde.
Zählen Zeiten als Angestellter mit?
§ 21 Abs. 4 AufenthG knüpft an den Besitz der Aufenthaltserlaubnis nach § 21 AufenthG an. Zeiten mit einem anderen Titel werden für diesen speziellen Weg regelmäßig nicht mitgezählt — für den Regelweg des § 9 AufenthG hingegen schon. Die Berechnung nimmt die Behörde vor.
Gilt die Regel auch für Freiberufler?
§ 21 AufenthG erfasst die selbstständige Tätigkeit; für freiberufliche Tätigkeiten enthält die Vorschrift eine eigene Regelung. Ob Ihr Titel darauf beruht, sehen Sie auf Ihrer eAT-Karte bzw. im Bescheid — im Zweifel fragen Sie Ihre Ausländerbehörde.
Was kostet der Antrag?
Die Gebühren sind bundeseinheitlich in der Aufenthaltsverordnung geregelt und werden nicht je Stadt festgesetzt; für Niederlassungserlaubnisse an Selbstständige sieht die AufenthV eine eigene Gebührenposition vor. Die Festsetzung nimmt die Behörde vor — eine Übersicht steht unter Niederlassungserlaubnis: Kosten.